Bildungsgerechtigkeit ist Konsens
Von unserer Redakteurin Sabine Friedrich
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Bewegung auf dem Pausenhof der Michael-Beheim-Schule: Bewegung ist aber auch in der Bildungspolitik unter der grün-roten Landesregierung.Foto: Dennis Mugler
Obersulm - Unsicherheit, Verwirrung, Sorge: Zwischen diesen Polen schwankt die Gefühlslage bei Eltern, Schülern und Lehrern. Das wird deutlich bei der Podiumsdiskussion "Was soll sich an der Schule ändern?" mit Ute Kratzmeier, Sprecherin der Landesarbeitsgemeinschaft Schule von Bündnis 90/ Die Grünen. Während sie für die neue Gemeinschaftssschule als "zentrales bildungspolitisches Projekt" der Landesregierung wirbt, erfährt sie teilweise Skepsis auf dem Podium und im Saal des Obersulmer Kulturhauses. Einig sind sich wohl alle der rund 70 Versammelten: Es muss mehr Bildungsgerechtigkeit geben, soziale Herkunft darf nicht mit Bildungserfolg gekoppelt sein.
Abschied Als Einstieg in den Ausstieg aus dem dreigliedrigen Schulsystem betrachtet die Grünen-Politikerin, hauptamtlich bei der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft tätig, die Gemeinschaftsschule. Es soll der Abschied vom "selektiven" Schulsystem werden, wenn Haupt-, Real- und auch Gymnasialabschluss unter einem Dach gemacht werden können. Als "Schule von unten", so Kratzmeier, soll sie sich entwickeln ohne Standardvorgaben. Es gebe gute pädagogische Gründe für dieses individuelle Lernen, am Leistungsniveau des Schülers orientiert. Es sei auch legitim, den demografischen Aspekt mit rückläufigen Schülerzahlen für das neue Modell anzuführen.
Helga Kurz, Leiterin der Käthe-Kollwitz-Schule in Weiler, bringt Kritik an. "Wo bleibt die Gerechtigkeit für die Kinder, für die dieser Level utopisch ist?", denkt sie etwa an die Förderschüler. Wenn Leistungsfähigkeit das einzige Kriterium von Schule sei, werde es immer Verlierer geben. Kratzmeier beruhigt: Es würden alle Bildungsstandards unterrichtet.
Das bisherige Schulsystem baue Druck auf, kritisiert Steven Häusinger, Vorsitzender der Stiftung Evangelisches Paul-Distelbarth-Gymnasium. Der Unterricht sollte sich nicht nur an Noten, sondern an Erfahrungen ausrichten, Ermutigung fürs Leben sein. "Das ist ein ganz wichtiges Bildungsziel." Einen Neuanfang begrüßt der Pfarrer, wenn dadurch die Bildungsumgebung der Kinder verbessert werde. "Dann ist die Gemeinschaftsschule eine tolle Anregung dafür." Für Günther Ruoff von der Obersulmer Lernbar 4u sind die pädagogischen Inhalte entscheidend.
Die Entwicklung hin zu neuen Konzepten findet der Jüngste auf dem Podium wichtig: Philipp Tominski, Schülervertreter des Politikgremiums des Justinus-Kerner-Gymnasiums Weinsberg. Aber: Dass es weiterhin ein Gymnasium geben soll, vergrößere den derzeitigen "Flickenteppich", verstärke die Selektion. Tominski befürchtet amerikanische Verhältnisse: Eltern, die es sich leisten könnten, würden ihre Kinder auf Privatschulen schicken. Der Gymnasiast wünscht eine langfristige Zielsetzung, beurteilt das derzeitige Vorgehen als überhastet.
Fortbildung Unterstützung für den Umgestaltungsprozess wünscht sich der Leiter der Michael-Beheim-Grund- und Werkrealschule, Eric Sohnle. Ein Zuhörer hat das Gefühl, dass mit der Gemeinschaftsschule wieder "was eingespart" werden soll. "Sie muss so gut sein, dass Eltern und Schüler sagen: Das ist eine Alternative", betont Kratzmeier. Deshalb ist für sie klar: "Sie darf kein Sparmodell sein." In die Lehrerfortbildung müsse kurzfristig investiert werden. Eine Zuhörerin befürchtet, dass sich in der Gemeinschaftsschule die bildungsfernen Schichten sammelten. "Dann geht der Schuss nach hinten los."
Grüner wird Heilbronner Bundestagsabgeordneter
Heilbronn - Mit Ulrich Schneider bekommt der Wahlkreis Heilbronn einen weiteren Bundestagsabgeordneten. Der Grünen-Politiker rückt für den ausscheidenden Konstanzer Abgeordneten Till Seiler ins Berliner Parlament nach. Das bestätigte am Dienstag die Grünen-Kreisvorsitzende Friederike Wilhelm der Heilbronner Stimme.
Der selbstständige Event-Manager aus Bad Rappenau-Bonfeld war bereits mehrfach Mitorganisator der Evangelischen und Ökumenischen Kirchentage. Foto: Archiv/privat
Schneider, Jahrgang 1972, stand schon zwei Mal auf der Kandidatenliste der Grünen für den Wahlkreis Heilbronn. Der selbstständige Event-Manager aus Bad Rappenau-Bonfeld war bereits mehrfach Mitorganisator der Evangelischen und Ökumenischen Kirchentage. Schneider ist seit 2000 Sprecher im Kreisvorstand und Mitglied im Gemeinderat von Bad Rappenau.
Heilbronn hat mit Schneider zum ersten Mal einen Grünen Vertreter im Bundestag. „Für mich ist das ein besonderer Ansporn, ich werde mich mit aller Kraft für die Region engagieren“, erklärte der Grünen-Politiker am Dienstag gegenüber unserer Zeitung. lam








