Internationaler Frauentag im Stuttgarter Landtag- Sabine Bethke-Bunte von der LAG Frauenpolitik war dabei

Die Landesvorsitzende Sandra Detzer verteilte Rosen an Frauen in Stuttgart. Sabine Bethke-Bunte kommentiert die Veranstaltung im Landtag anlässlich des Internationen Frauentags, bei der sie zu Gast war:

Die grüne Landesvorsitzende Dr. Sandra Detzer mit Unterstützerinnen am Internationalen Frauentag in Stuttgart Foto: Landesgeschäftsstelle Baden-Württemberg

Auf der Veranstaltung im Landtag zum Internationalen Frauentag Foto: Landtag von Baden-Württemberg

Foto: Landtag von Baden-Württemberg

"Sprengt die Ketten" Foto: Landtag von Baden-Württemberg

Immerhin sind seine Anliegen nicht auf einen Tag im Jahr beschränkt, nein, am 9. Märzdieses Jahres fand dazu auch im baden-württembergischen Landtag wieder eine Veranstaltung statt. Als Heilbronner Delegierte der Landesarbeitsgemeinschaft Frauenpolitik war ich von Frau Wehinger, der frauenpolitischen Sprecherin der GRÜNEN, eingeladen. Nachdem zuvor ein digitaler und m.E. unnötiger „Rosen“-Krieg (sollen wir welche kriegen oder verschenken?) zwischen weiteren Delegierten dieser LAG getobt hatte, wollte ich wenigstens das wirklich leckere, wenn auch kaum vegetarisch bestückte Büffet genießen.

Gewohnt munter führte die Landtagspräsidentin Muhterem Aras, (zur Erinnerung: dieerste Frau in dieser Position seit Bestehen des Landtags) mit einem Rückblick auf Erreichtes in die Veranstaltung ein.

Die erste von zwei Gesprächsrunden, behutsam und kompetent moderiert von Anita Kotsidou(SWR), befasste sich mit Frauenleben in Baden-Württemberg. Stefanie Aeffner (Vertreterin von Menschen mit Behinderung), Marina Silverii (Migrantin der 2. Generation), Ramona Auer (berufstätige Mutter), Karen Seiter  (Ansprechpartnerin von Velspo, Verein lesbisch schwuler Polizist*innen), Raquel Cortes (Arbeitsmigrantin) und Roswitha Ehinger (teilzeitarbeitend, ehrenamtlich und politisch tätig). Ihre ebenso vielfältigen Erfahrungen als Frauen umfassten ein breites Spektrum von noch zu behebenden gesellschaftlichen Missständen, die sich kaum auf einen Nenner bringen lassen und leider, leider auch nicht neu sind, sondernschon seit über 30 Jahren von den Landesgleichstellungsbeauftragten angeprangert werden: So steht Deutschland beispielsweise beim Equal-Pay mit 27% Gender-Gap bei Hochschulabsolvent*innen international auf dem drittletzten Platz. Und die seit 2015 gesetzlich verankerte Quote für Führungskräfte ist bislang nur zu 50% umgesetzt. Wenn das so weitergeht, brauchen wir noch 170 Jahre bis zur ausgleichenden Gerechtigkeit.

Auf in den Beschleunigungs-Kampf!

Die zweite Gesprächsrunde bestritten die frauenpolitischen Sprecherinnen (Herr Haußmann von der FDP/DVP ist mitgemeint), wie erwähnt die GRÜNE Wehinger, Neumann (CDU), Dr. Baum (AfD, bekam keinen Begrüßungsapplaus), Wölfle (SPD) und die wie immer fulminante Manuela Rukavina, Vorsitzende des Landesfrauenrats. Sie entlarvte mit  soziologischem Blick unerbittlich die rein auf persönlichen Erfahrungen beruhende Sichtweise von Frau Dr. Baum, die mehrfach betonte, Zahnärztin zu sein und durch ihre DDR-Sozialisation niemals auf Grund ihres Geschlechtes diskriminiert worden zu sein. Frau Wölfle verwies u.a. darauf, dass die Situation in Deutschland besser als die in vielen Ländern der Welt sei, auch wenn noch viel zu tun bliebe. Hier hätte ich mir einen deutlicheren Fingerzeig auf unser Land im Hinblick auf gleichen Lohn für gleiche/gleichwertige Arbeit gewünscht. Herr Haußmann sprach von der Masterarbeit seiner Tochter zum Thema Gender und lobte den Internationalen Frauentag, wodurch es „...sicherlich ...besser“ werde. Wie bitte? Auch auf dem Podium wurde mit dem Begriff Arbeit immer noch ausschließlich Erwerbsarbeit gemeint!

So kann (Frauen)Arbeit unhörbar gemacht werden! Gewalt durch Sprache tut genauso weh wie körperliche, so eine Zuhörerin. Letzte Frage: Was muss z.B. noch  getan werden?

Frau Wehinger  verwies auf den Erfolg der „Nein heißt Nein“-Kampagne des letzten Jahres und schlug für die Zukunft vor, mehr den ländlichen Raum beim Thema Geschlechtergerechtigkeit in den Blick zu nehmen. Frau Wölfle hob den Unterschied zwischen Deutschland und dem Rest der Welt hervor. Herr Haußmann nahm Bezug auf die Masterarbeit seiner Tochter zum Thema Gender, Frau Dr. Baum s.o.  und was Frau Naumann sagte, weiß ich nicht mehr, jedenfalls habe ich nichts notiert. Was ich persönlich von der nahen Zukunft erwarte, ist, dass endlich ein Zwei-Stimmen-Wahlrecht im baden-württembergischen Landtag verabschiedet wird und die LAG Frauenpolitik zu einem tragfähigen Prostitutionsgesetz findet.

Am meisten berührt hat mich bei dieser Veranstaltung der Beitrag zwischen den beiden Gesprächsrunden: Eine Tanzaufführung von salopp gekleideten Mädchen und ihrer Begleiterin vom Haus am Mühlbach, einem bildungspädagogischen Beratungszentrum in Mühlhausen-Ehingen. In dem Projekt für Gewaltprävention und Trauma-Bearbeitung „Wir sind stark“ haben die rund zehn Mädchen im Alter von ca. sieben bis 13 Jahren zwei Tänze erarbeitet und, besonders nach dem verdienten Zwischenapplaus, ausdrucks- und temperamentvoll vorgeführt. „Sprengt die Ketten“ hieß die Liedbegleitung mit Versen wie: „Tanz, den Schmerz zu stoppen...Ich spür den großen Mut in mir. Steh auf, geh meinen Weg.“

Dem ist nichts hinzuzufügen.

Zur Vertiefung sei auf folgende Publikationen hingewiesen:

                Manuela Schwesig: 2. Gleichstellungsbericht (März 2017)

                Anne Wizoreks kontrovers diskutiertes Buch

                „Weil ein #aufschrei nicht reicht“ (2014)