DIE GRÜNEN IM KREIS HEILBRONN

Umweltstaatssekretär Dr. Andre Baumann zu Besuch in Heilbronn

Umweltstaatssekretär Dr. Baumann:" Die Produktivität der Biene ist höher als die der Deutschen Bank"

 

"Wir müssen erhalten, was uns erhält. Deshalb haben wir für Baden-Württemberg mit der Naturschutzstrategie 2020 das deutschlandweit beste Programm für den Arten- und Naturschutz entwickelt", so Dr. Andre Baumann, Staatssekretär im Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft, bei einem Informationsabend der Grünen in Heilbronn.

Mit Projekten wie dem Nationalpark und den beiden Biosphärengebieten im Schwarzwald und auf der Schwäbischen Alb, der Etablieerung und finanziellen Unterstützung von Landschaftserhaltungsverbänden, einem ambitionierten Moorschutzkonzept und einer Erhöhung der Naturschutzmittel von jährlich 30 Millionen Euro in 2011 auf 60 Millionen Euro bis 2016 und geplanten 90 Millionen Euro bis 2021 zeigt die grün-geführte Landesregierung, wie sie gegen den Verlust der biologischen Vielfalt kämpft.

17,4 Prozent der Landesfläche seien Natura-2000- oder FFH-Gebiete, erklärte Baumann, der diese Flora-Fauna-Habitate scherzhaft als "Pflanzen, Viecher, Heimat" übersetzte. Und Handeln sei dringend geboten. Uralte Kulturlandschaften wie blumenbunte Mähwiesen oder Wacholderheiden, die so typisch für unser Land seien, verschwinden zusehends aus unserer Landschaft.

Der promovierte Biologe warnt besonders vor einem neuartigen Insektensterben mit schwerwiegenden Folgen. "In den letzten Jahren ist die Zahl der Insekten in Teilen Deutschlands dramatisch zurückgegeangen, nach Untersuchungen in Nordrhein-Westfalen um alarmierende 80 Prozent", bilanziert der Umweltstaatssekretär.

Flächenversiegelung, die Zerschneidung der Landschaft, aber vor allem die intensive Landwirtschaft seien die wichtigsten Ursachen für das Insektensterben. Für hochproblematisch hält Baumann die Verwendung von neuartigen Pestiziden, den sogenannten Neonikotinoiden. Hierbei handelt es sich um hochtoxische Stoffe, deren Giftstärke DDT um ein Vielfaches übertrifft. "Diese gefährlichen Chemikalien gehören in den Giftschrank und nicht auf unsere Felder", empört sich Baumann. Das Insektensterben wirkt sich auch auf andere Tiere und auf Pflanzen aus. So schwindet etwa der Bestand an Fledermäusen und vielen insektenfressenden Vögeln wie Schwalben. Aber auch für Menschen seien Insekten von zentraler Bedeutung. Rund 70 Prozent aller Nahrungspflanzen seien darauf angewiesen, dass ein Tier sie bestäubt, darunter fast alle Obst- und Gemüsesorten.

Die aus der Bestäubung ableitbare wirtschaftliche Leistung beziffert der Biologe auf mehrere Milliarden Euro im Jahr. " Die Produktivkraft der Honigbiene ist größer als die der Deutschen Bank", machte Baumann zum Abschluss deutlich.

 

 

 

Dr. Andre Baumann, Staatssekretär im Umweltministerium Baden-Württemberg