DIE GRÜNEN IM KREIS HEILBRONN

Neue Ganztagsangebote an Schulen im Stadt- und Landkreis Heilbronn

An 7 Schulen wird es ab dem kommenden Schuljahr ein Ganztagsangebot geben. Ralf Roschlau vom Kreisvorstand der Grünen stellt dazu fest: „Kommunen und Schulen können flexibel auf den Bedarf vor Ort reagieren. Die Konzepte sind familienfreundlich und versprechen bessere Lernerfolge.“

Zahlreiche Schulen im Stadt- und Landkreis stellen ihren Unterricht auf das neue Ganztageskonzept um. Ab dem kommenden Schuljahr 2014/2015 besteht nun auch an der Bad Friedrichshaller Grundschule Plattenwald, der Eichbottschule in Leingarten, der Kurmainzschule in Neudenau, in Heilbronn an der Pestalozzischule, an der Lauffener Hölderlin-Grundschule sowie an der Kurt-von Marval-Schule in Nordheim und der Grundschule Neuhütten ein attraktives Ganztagsschulangebot. „Der Ganztagesbetrieb verspricht wesentliche Vorteile: Durch das erweiterte Schulangebot stärken wir den Bildungserfolg der Schülerinnen und Schüler und leisten zugleich einen wichtigen Beitrag zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf“, erklärt der Landtagsabgeordnete Daniel Renkonen.

Das Kultusministerium hat die Anträge positiv geprüft, so dass der Ganztagsbetrieb im September starten kann. Genehmigungsgrundlage ist die vor kurzem vom Landtag beschlossene Änderung des Schulgesetzes. Diese ermögliche die flächendeckendende Einführung von Ganztagsangeboten an Grundschulen. „Dabei haben wir darauf geachtet, dass Kommunen und Schulen bei ihren Konzepten flexibel auf die Bedürfnisse vor Ort reagieren können“, fügt Renkonen hinzu. Sie dürfen verschiedene Formen anbieten – verpflichtend oder freiwillig, mit sieben oder acht Zeitstunden an drei oder vier Tagen in der Woche. Dabei haben die Schulen die Eltern und ihre Wünsche miteinbezogen und können ihnen die Lösung anbieten, die vor Ort am besten funktioniert. Um das zu garantieren, wurde im Gesetz die Rolle der Schulkonferenz und damit die Mitbestimmungsrechte der Eltern gestärkt.

Die grüne Landtagsfraktion betont darüber hinaus, dass die Ganztagsschule mehr ist als Betreuung. Sie erlaube neue Gestaltungsmöglichkeiten des Lernprozesses. Über den Tag verteilt können sich traditioneller Unterricht, individuelle Vertiefungsphasen und Übungszeit, musische Angebote oder Sport abwechseln. Hausaufgaben werden in der Schule mit Hilfe der Lehrkräfte erledigt. Diese so genannte Rhythmisierung verspricht nach Ansicht von Bildungsforschern den größten Lernerfolg. Die Schulen können Akteure etwa aus den Bereichen Sport, Kultur, Musik oder Jugendarbeit, in ihr Ganztagskonzept einbeziehen. Die Finanzierung der Zusammenarbeit kann aus dem Kooperationsbudget erfolgen.

In den kommenden Jahren rechnet die Landesregierung mit einem weiteren Anstieg der Ganztagsschulen im Grundschulbereich. Bis zum 1. Oktober können Schulträger weitere Anträge auf Ganztagsschule beim Kultusministerium einreichen. Bis 2023 sollen landesweit rund 70 Prozent der Grundschulen ein Ganztagsangebot einrichten.

Für den Heilbronner Kreisverband der Grünen stellt Alfred Pehrs fest: „Es bewegt sich endlich etwas in der baden-württembergischen Schullandschaft, seit Grün-Rot regiert. Wenn jetzt altgediente CDU-Politiker bemängeln, der Ausbau von Ganztagsschulen gehe nicht schnell genug voran, so grenzt das schon an galoppierende Vergesslichkeit. Als 2004 die damalige rot-grüne Bundesregierung die erste Ganztagsoffensive startete, wurde dies doch allen voran von der baden-württembergischen CDU vehement bekämpft.“

Gentechnik – aktuelle Situation und grüne Positionen

Genmais mit unheimlichen Risiken für Umwelt und Gesundheit – das war der Tenor eines Vortrags von Harald Ebner MdB, Sprecher für Agro-Gentechnik der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, beim Kreisverband der Grünen in Heilbronn.

 

Zu den Heilsversprechen der Gentechnik gehört die Aussage, die Ernährung für die wachsende Weltbevölkerung zu sichern. Eine Anfrage von Harald Ebner an die Bundesregierung ergab: „Die Bundesregierung hat erschreckend wenig zu bieten.“

So stellte sich die Aussage, die Erträge von Mais und Baumwolle in Mali seien durch gentechnisch veränderte Pflanzen gesteigert worden, als bloßes Szenario heraus.

Ein weiteres Beispiel für den Unsinn mit gentechnisch veränderten Pflanzen sei der „Golden Rice“, der mit einem Gen so verändert wurde, dass er Provitamin A enthält. Dies solle die Sehkraft verbessern und der Erblindung vorbeugen sowie die Kindersterblichkeit senken. Die für die Gesundheit erforderliche Menge an Provitamin A ist aber nur in 2 ½ kg Reis trocken täglich enthalten. In den entsprechenden Ländern fehlten aber z.B. Fette, die dem Körper erst die Aufnahme der Vitamine ermöglichen. Es sei besser, die Ernährungsgewohnheiten umzustellen und z.B. Gemüse anzubauen.

 

Die Menge der Nahrungsmittel sei nur der kleinste Teil, die Probleme liegen in Lagerung und Verteilung. „Es sind max. 10% Ertragssteigerung durch Gentechnik möglich. Die Gentechnikforschung in Deutschland ist  total überfördert“, so Ebner.

So seien trockenheitsresistente Züchtungen viel komplizierter als gedacht. Auf konventionellem Wege wurden bessere Erfolge erzielt.

 

Die Mehrheit der Bevölkerung lehnt gentechnisch veränderte Nahrungsmittel ab – und trotzdem hat sich die Bundesregierung bei der Abstimmung in der EU über den Anbau von Genmais 1507 enthalten anstatt mit nein zu stimmen. Auch SPD und CSU, angeblich gentechnikkritisch, haben einen Antrag der Grünen im Bundestag für ein europäisches Genmais-Verbot im Januar abgelehnt.

Am 11. Februar hat die EU die Zulassung des Maises Pioneer 1507 beschlossen. Dieser Mais hat zwei Eigenschaften: Er ist herbizidtolerant gegen Glyphosat und Glyfosinat und er produziert ein Gift gegen den Maiszünsler. Dieses Gift bedroht aber auch andere Insekten. Das Pestizid Glyfosinat kann menschliche Embryonen schädigen.

Zudem führt der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen zu einem erhöhten Pestizid-

einsatz, da auch die Beikräuter gegen Herbizide immun werden und Schädlinge Resistenzen gegen das Gift entwickeln.

Dies ist ein weiteres Beispiel dafür, dass die Gentechnik große unerforschte Risiken beinhaltet.

Ebner forderte die Verbraucher auf, Druck auf die Regierung und auf Handelsbetriebe und Molkereien auszuüben, die sich nicht von gentechnisch veränderten Lebensmitteln distanzieren.

Der Bauernverband empfiehlt seinen Mitgliedern derzeit den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen nicht. Er spricht sich aber auch nicht dagegen aus.

 

Die EU erteilt im Augenblick weitere Importzulassungen für gentechnisch veränderte Pflanzen; die Bundesregierung tut nichts dagegen, sondern setzt auf nationale Anbauverbote als Lösung. Dies führt jedoch zu zu vielen kleinteiligen Flächen, die die Ausbreitung durch Pollen nicht verhindern können.

Heilbronn habe ein positives Signal gesetzt mit der Resolution gegen Grüne Gentechnik, lobte Ebner.

Keine Stadtbusse für Nazis!

Der Heilbronner Kreisverband von Bündnis 90/Die Grünen kritisiert die Stadt für ihren Umgang mit der rechtsradikalen Kundgebung vom 8. März 2014 scharf. 30 TeilnehmerInnen der Jungen Nationaldemokraten (JN) und Freien Nationalisten (FN) Heilbronn konnten durch die Hilfe der Stadt am Internationalen Frauentag eine Kundgebung am Berliner Platzabhalten.

 

Fassungslos sind die Grünen vor allem darüber, dass die Stadt eigens für die FaschistInnen einen Stadtbus‐Shuttle eingerichtet hat. „Die Argumentation seitens der Stadt, es wäre zu größerem Aufruhr gekommen, wenn die FaschistInnen durch die Innenstadt gelaufen wäre, lassen wir nicht gelten“, sagt Kreisvorstandsmitglied Daniel Rau. „Wir sind uns sicher, dass sich den Nazis viele BürgerInnen in den Weg gestellt und die FaschistInnen ihren Kundgebungsort nicht erreicht hätten.“ Mit dem Bustransport zeigt die Stadt einmal mehr eine unnötige ‚Fürsorge‘ für die FaschistInnen. Anstatt sich klar gegen Nazis zu positionieren und ihre BürgerInnen rechtzeitig zu informieren, setzt sie auf Geheimhaltung, um mögliche Gegenproteste kleinzuhalten. „Engagierten BürgerInnen macht es die Stadt dadurch unmöglich, durch Zivilcourage Nazi‐Aufmärsche zu verhindern“, sagt Annerose Wolf vom Kreisvorstand.

 

Der grüne Kreisverband fordert die Stadt auf, sich in Zukunft aktiver und entschlossener gegen rechte Aufmärsche zu wehren. „Unmutsbekundungen über Nazi‐Veranstaltungen reichen nicht, es müssen Taten folgen“, verlangt Rau. Beispiele aus anderen Städten wie Heidelberg oder Jena zeigen, dass Stadtverwaltung und Polizei sehr wohl Handlungsspielraum im Umgang mit Nazis haben: Dort werden BürgerInnen auf der städtischen Homepage über rechte Aufmärsche informiert und zu Gegenprotesten aufgefordert. Das zeigt Wirkung, viele GegenprotestlerInnen kommen. Die Polizei kann den angereisten FaschistInnen dann oftmals keine sichere Demonstrationsroute mehr gewährleisten und untersagt die rechte Demo aus Sicherheitsgründen.

 

Wenn Stadt und Polizei Heilbronn ihren Umgang mit rechten Aufzügen nicht ändern und keine eindeutige Position beziehen, werden die FaschistInnen Heilbronn auch in Zukunft als Stadt wahrnehmen, die ihnen und ihren rechtsradikalen Parolen den Weg ebnet.

Ausgabereste im Straßenbau können nicht für Neubewilligungen eingesetzt werden

Throm versteht die Welt nicht mehr...

 

Wahrscheinlich versteht Herr Throm die Welt ohnehin nur dann, wenn sie CDU-regiert ist. Aber man kann ja versuchen, sie ihm noch einmal zu erklären.

 

Herr Throm bezieht sich anscheinend auf die Ausgabereste in 2013 und will diese auch gleich ganz für die Saarlandstraße in Anspruch nehmen. Diese Ausgabereste können jedoch nicht für weitere Bewilligungen genutzt werden, weil sie bereits durch Bewilligungen gebunden sind. Sie verfallen auch nicht, sondern stehen 2014 weiter zur Verfügung. So konnten 12,3 Mio. Euro nicht ausgegeben werden, weil der Rosensteintunnel in Stuttgart durch Verzögerungen beim Bauablauf noch nicht begonnen werden konnte. Hätte man dieses Geld anderweitig vergeben, würde es jetzt beim Bau des Tunnels fehlen.

 

So hat vielleicht schwarz-gelbe Politik in den Jahren bis 2011 funktioniert, aber das hat dazu geführt, dass immer neue Zusagen und Bewilligungen den Gestaltungsspielraum drastisch eingeschränkt haben. Bis zum Auslaufen der Mittel aus dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz 2019 erhält das Land zwar jedes Jahr ca. 165 Mio. Euro, wovon 66 Mio. Euro gemäß dem Koalitionsvertrag in kommunale Straßenbauprojekte fließen (der Rest geht in den ÖPNV und Rad- und Fußwegeprojekte), doch hat die schwarz-gelbe Vorgängerregierung davon schon das meiste verbraten. 2011 waren von diesem Geld bereits rund 440 Mio. Euro für kommunale Straßenbau-Förderprojekte „ausgegeben“ – im Vorgriff auf die Zukunft. Seit 2005 kritisierte der Landesrechnungshof diese alte Förderpraxis und die Überzeichnung des Programms immer wieder.

 

2012 und 2013 konnte die Bewilligungsbugwelle durch verschiedene Maßnahmen, so z. B. durch einen Bewilligungsstopp, auf 260 Mio. Euro abgeschmolzen werden, trotzdem stehen bis 2019 der Förderung kommunaler Straßenbauprojekte insgesamt nur noch 140 Mio. Euro zur Verfügung.

 

Die Realität zeigt sich also etwas differenzierter und damit komplizierter, so kann es schon vorkommen, dass man sie nicht gleich versteht – vor allem, wenn man daran gewöhnt war, alles zu versprechen, ohne sich um die Zukunft zu scheren.  

Pressemeldung zu S 21 vom 6.2.2013

 

Jetzt handeln oder leer ausgehen

Wenn die Karten nach dem Ende von Stuttgart 21 neu gemischt werden, ist Heilbronn nicht vorbereitet!

Nun scheint auch im Bund die Einsicht einzukehren, dass Stuttgart 21 wirtschaftlich nicht vertretbar ist. Das Bauvorhaben entpuppt sich immer mehr als das, was es schon immer war: ein reines Prestigeobjekt. Auch wenn Verkehrsminister Ramsauer eine Abkehr immer noch von sich weist, die Luft für das Projekt wird zunehmend dünner. Inzwischen bezieht auch der Bundesrechnungshof Stellung, Präsident Dieter Engels lässt vermelden, dass seine Behörde schon 2008 die Zahlen vorhergesagt hat, die die Bahn jetzt auf einmal auch vorgelegt hat. Er will genau hinschauen, „wie sich die Kosten von Stuttgart 21 entwickeln und welche Kostensteigerungen hinzu kommen".

Der Kreisvorstand der Grünen nimmt diese Entwicklung zum Anlass, erneut den Ausbau der Stadtbahn Süd zu fordern. Die Vertreterinnen und Vertreter der Grünen in allen Gremien haben stets darauf hingewiesen, dass die Region für den Fall gewappnet sein muss, dass durch die Abkehr von S21 wieder Mittel für den Schienennahverkehr frei werden. Die Kreistagsfraktion hat im Dezember 2012 eine Standardisierte Bewertung gefordert, ist mit ihrem Antrag jedoch an den Mehrheitsverhältnissen gescheitert. Eine Standardisierte Bewertung ist aber die Grundlage, um überhaupt den weiteren Stadtbahnausbau beantragen zu können. Andere Regionen haben solche Anträge bereits gestellt und sind uns damit meilenweit voraus, wenn tatsächlich Gelder frei werden sollten.

Eine Standardisierte Bewertung kostet nach Expertenmeinung etwa 120.000 Euro, stattdessen hat der Kreistag für 60.000 Euro ein Gutachten in Auftrag gegeben, das in einem weiteren Planungsprozess für den Stadtbahnausbau und für Anträge und Verhandlungen mit dem Land nicht verwertet werden kann. Wir halten das für eine unnötige Ausgabe von Steuergeldern, es sei denn, man will gewünschte Ergebnisse damit untermauern. In diesem Fall würde das heißen, Bus statt Bahn. Und das, obwohl allen klar sein muss, dass die Stadtbahn Süd als logische Fortsetzung der Stadtbahn Nord eine beträchtlich höhere Akzeptanz haben und deutlich mehr Verkehrsentlastung bringen wird.

Gemeinsam fordern deswegen die Kreistagsfraktion, die Heilbronner Stadtratsfraktion, MdB Ulrich Schneider und der Kreisverband der Grünen, endlich in das ordentliche Planungsverfahren einzusteigen, um damit - wenn auch spät - eine nachhaltige Verkehrsentwicklung fortzuführen. Es gibt einen bestehenden und zwischenzeitlich erneuerten Kreistagsbeschluss für die Stadtbahn Süd! Kreistag, Landrat und Verwaltung müssen diesen Beschluss endlich zum Wohle der Region Heilbronn umsetzen.

Neujahrsempfang des Kreisverbandes am 25.1.2013

Heilbronner Stimme vom 28.1.2013

Kilian Krauth

HEILBRONN

Schwäbisches Besenbrot, Elsässer Flammkuchen und Bio-Wein aus den Abruzzen:

Mit passenden Häppchen und Getränken der Brüder Pfeffer würdigten die Unterländer Grünen beim ersten Neujahrsempfang ihrer 33-jährigen Parteigeschichte die Vielfalt Europas.

Ähnlich bunt war im neuen Heilbronner Feinschmecker-Tempel, dem historischen Fleischhaus, die Gästeschar. Neben vielen Grünen gaben sich Sozialdemokraten, Vertreter von Sozialverbänden und Kirchen ein Stelldichein, lauschten

dem Acoustik Swing Orchestra oder versuchten, den allgemeinen Geräuschpegel

zu ignorieren.

Kämpferisch „Wir werden Schwarz-Gelb das ganze Jahr vor uns hertreiben“, rief der Unterländer Bundestagsabgeordnete Ulrich Schneider ins Mikro. Ausgesprochen

kämpferisch richtete er den Blick nach dem Erfolg in Niedersachsen auf die Bundestagswahl. Kritisch streifte der Bonfelder die Vorgänge in den SLK-Kliniken und

die Rolle des Aufsichtsratsvorsitzenden. „Aber auch in der Europapolitik

hat Heilbronn Nachholbedarf.“ In diesem Sinne erteilte die Grünen-

Europaabgeordnete Heide Rühle allen eine Lehrstunde. Die in der Käthchenstadt geborene Stuttgarterin schrieb Unterländer Regiona lund Kommunalpolitikern einiges

ins Stammbuch. Nach den aktuellen Brüsseler Beschlüssen zu Konzessionsabgaben

sei die weitere Privatisierung öffentlicher Aufgaben wie der Wasserversorgung keinesfalls vom Tisch. Die aktuelle Austrittsddrohung des Briten Cameron thematisierte

Rühle nicht, dafür warf sie Kanzlerin Merkel „Doppelzüngigkeit“ vor, weil sie sich vordergründig als „Zahlmeisterin“ aufspiele, Deutschland aber nur an fünfter

Stelle der zahlenden EU-Länder stehe. Außerdem belaste Merkel die armen Länder durch ihre Schuldenpolitik zusätzlich. Entsprechend distanziert werde man derzeit als Deutsche im EU-Parlament behandelt. Kritisch auch an der EU-Politik der Unterländer Regionalpolitiker ließ Rühle kein gutes Haar. Heilbronn habe es versäumt, Fördergelder für Strukturprogramme abzuschöpfen. Nach einer im Sande verlaufenen Reise nach Brüssel riet sie der Heilbronner Stadtverwaltung, die Stelle eines Europabeauftragen einzurichten. Doch im Ländle baue man nach wie vor zu sehr aufs „alte CDU-Klima“

und überschätze den Einfluss von Ex-Landesvater und EU-Kommissar Günther Oettinger. „Eigentlich schade, dass deine Familie, als du acht warst, von hier

wegzog“, gab am Ende die Ur-Grüne Friederike Wilhelm zu verstehen,

„sonst würde es unserer Region heute womöglich besser gehen.“

Feierlaune: Mit Ulrich Schneider aus Bonfeld und der gebürtigen Heilbronnerin Heide

Rühle sind die Unterländer Grünen in Berlin und Brüssel präsent.

„Wir sind auf einem guten Weg!“

Energiewende  Schwerpunktthema bei der Kreismitgliederversammlung der Grünen  in Neckarsulm

 

Am 26. 10.2012 trafen sich die Grünen zu einer  Kreismitgliederversammlung in den „Museumststuben“ in Neckarsulm. Die auch für Nichtmitglieder offene Veranstaltung , zu der etwa 25 Besucher kamen, stand ganz im Zeichen der Energiepolitik.

 

Zunächst begrüßte Moderator Alfred Pehrs  Herrn Thomas Löffelhardt und Herrn Dirk Storz, die das bundesweit einmalige Energieversorgungsmodell der Gemeinden Wüstenrot und Mainhardt vorstellten.

Der Projektleiter Thomas Löffelhardt, technischer Leiter beim Bauamt Wüstenrot, beschrieb die Gründung und Ziele der „Energieversorgung Mainhardt Wüstenrot GmbH&CO KG (EMW). Ziel Wüstenrots ist es, selber Energie zu produzieren und zu verkaufen, auf lange Sicht also eine autarke Energiegemeinde zu sein, unabhängig von den großen Energiekonzernen. Die Gemeinden Wüstenrot und Mainhardt halten zusammen 52% der Gesellschaftsanteile, den Rest die Stadtwerke Schwäbisch Hall. Dabei wird bereits jetzt Strom angeliefert.

 

Wie das Konzept umgesetzt wird, erläuterte Dirk Storz, Geschäftsführer des Netzwerkes „Die Erneuerbaren“, der das Projekt ehrenamtlich  betreut .Ein Wohngebiet mit ca. 25 Einfamilienhäusern und einem Mehrfamilien-bzw. Geschäftshaus  wird komplett mit regenerativer Energie versorgt, und zwar vorwiegend durch geothermische Wärmegewinnung. Neu an dieser von der Firma Doppelacker ausgeführten Anlage ist, dass die Erdwärme nicht aus der Tiefe kommt, sondern die Rohre nur zwei Meter tief in einer Agrarfläche verlegt sind , so dass diese Fläche doppelt nutzbar ist.

Das Projekt wird vom Bund mit 3,5 Millionen (90% der Gesamtkosten) bezuschusst und von der Universität  Stuttgart wissenschaftlich begleitet. Die Forschungsfläche umfasst ein Versuchsfeld, das zweieinhalb  mal so groß ist wie ein Fußballfeld. Derzeit ist die verwendete Agrarfläche ein von der Gemeinde an einen Landwirt verpachtetes Grasland, aber es sind – je nach Bodenbeschaffenheit – auch andere Anbauflächen denkbar. Es wird überlegt, das Wüstenroter Freibad mit dieser Anlage zu beheizen. Die Wüstenroter und Mainhardter erhoffen sich mit ihrem bahnbrechenden Energiekonzept  einen Anreiz für Neubürger im  ländlichen Raum.

 

Im zweiten Teil der Veranstaltung  knüpfte Wolfgang Raufelder , MdL, an diese ermutigenden Ansätze an und berichtete vom Stand der Energiepolitik in Baden-Württemberg. Er verwies vor allem auf die notwendigen dezentralen Strukturen, den Forschungsbedarf bei Speichermöglichkeiten, maßgeschneiderte Projekte zur Wärme-Stromerzeugung im ländlichen Raum und Probleme der Netzagenturen, die nur im europäischen Gesamtzusammenhang zu denken seien.

Als besonders wichtig e Aufgaben nannte er den Netzausbau, die Windenergie, dezentrale Gas-Kraft-Wärme-Kopplung und das Einbinden großer Unternehmen. Er wünschte sich, dass  Landkreise und größere Städte  regenerative Energieanlagen als „Markenzeichen“  bekannt machen. Insgesamt sieht er ein großes Interesse an innovativen Lösungen und die Energiewende in Baden-Württemberg  „auf einem  guten Weg“.

 

Eine lebhafte Diskussion, bei der auch der  Bundestagsabgeordnete  der Grünen Ulrich Schneider von seiner Erfahrung aus Berlin berichtete, schloss sich an.

 

 

(Bericht: Hildegard Eitel)

Kein Grund für Herzklopfen

Unterländer Grüne setzen bei Bundestagswahl 2013 wieder auf Ulrich Schneider

 

Von unserem Redakteur

Joachim Friedl

 

Der Kugelschreiber kreist in der rechten Hand. Unruhig

geht der Blick Richtung Handy. Das Glas Wasser feuchtet mehr als einmal

die Lippen an. Auch bei seiner zweiten Nominierung für die Bundestagswahl

2013 ist Ulrich Schneider nervös. Dabei gibt es am Montagabend

im Haus des Handwerks für den ersten Grünen-Bundestagsabgeordneten

aus dem Unterland keinen Grund für Herzklopfen. Die Grünen stehen wie ein Mann hinter dem 40-jährigen gebürtigen Sinsheimer und heutigen Bonfelder.

Viel Lob „Er macht’s scho recht“, urteilt die Schleswig-Holsteinerin

und heutige Heilbronnerin Cornelia Thormähle auf Schwäbisch. „Mir

gefällt seine Jugendarbeit. Deshalb unterstütze ich ihn“, bekennt der

Fleiner Christian Winkler. „Er ist jung, dynamisch und er kommt aus

der Kommunalpolitik. Er kennt somit die Probleme aus jeder Sichtweise“,

sagt Bernd Mayer, Mitglied im Grünen-Kreisvorstand.

Diese drei Meinungen spiegeln sich denn auch im Wahlergebnis wider:

32 Wahlberechtigte sind im Zunftkeller anwesend, jede Stimme

ist gültig. Freudestrahlend überreicht die Grünen-Kreisvorsitzende

Friederike Wilhelm einen herbstlich gebundenen Blumenstrauß.

Politische Unterstützung gibt es unmittelbar danach von Chris Kühn

für Ulrich Schneider. „Wir Grünen sind so stark wie nie“, macht der

Landesvorsitzende den Mitgliedern Mut für einen engagierten Wahlkampf.

Sein Credo lautet: „Wir brauchen den Wechsel im Bund, damit es

endlich zu einer gerechteren Politik in allen Bereichen kommt.“

„Wir können es besser, weil wir die richtigen Konzepte haben.“ Ulrich

Schneider, im Dezember 2011 für den Konstanzer Abgeordneten

Till Seiler in den Bundestag nachgerückt, weiß, was die Grünen-Seelen

im Saal hören wollen. Eingängig sind die politischen Botschaften des

ledigen Eventmanagers: Erhöhung des Spitzensteuersatzes, Einführung

einer Vermögenssteuer. Kindergrundsicherung,Garantierente.

Reform des Bundesfreiwilligendienstes, Gleichstellung von Schwulen

und Lesben. Den Piraten und der FDP gibt er mit auf den Weg: „Die einen

haben sich entzaubert. Die Liberalen sollen sich um andere Dinge

kümmern, nur nicht um Politik.“ Listenplatz Realistisch sieht Ulrich

Schneider seine Wahlchancen: „Zum Direktmandat wird’s sicherlich

nicht reichen“, sagt er schmunzelnd. Sein Ziel ist deshalb ein „aussichtsreicher

Listenplatz“, um nach der Wahl das Unterland wieder im

Bundestag zu vertreten: „Das würde mich freuen.“